Lehr- und Lernmethoden zur Tastaturbedienung auf dem Prüfstand der Wissenschaft
Ein Jahrhundert verdienstvoller Arbeit zur ständigen Vervollkommnung der Tastaturschulung ist uns Anlaß, zu einer Auseinandersetzung Stellung zu nehmen, die im letzten Jahrzehnt gegen neue Lehr- und Lernmethoden geführt worden ist. Speziell meinen wir die Angriffe gegen die fiellascript Lernmethode, die mit erbitterten Argumenten und auch unfairen Methoden gegen dieses Lernprogramm geführt worden sind. Es fällt vor allem die Abwesenheit von solider objektivierender Analytik und die Ignoranz gegenüber den in den 90er Jahren praktisch erzielten Ergebnissen auf. Momentan herrscht Windstille in der Diskussion, die wir an dieser Stelle mit fundierten Argumenten für neue Lernmethoden beleben wollen.
Von seiten der Kritiker der Lernmethode fiellascript sind eine Reihe pauschaler Argumente gegen diese vorgebracht worden, wie:
Die Achtung gegenüber der Leistung all derjenigen, die sich um das Tastschreiben verdient gemacht haben und der weitere Erkenntnisfortschritt auf diesem Gebiet, fordern m. E. zwingend die Anerkennung vorliegender gesicherter Erkenntnisse und Praxiserfahrungen.
Es wurden zahlreiche Schulversuche in den 80er und 90er Jahren durchgeführt, so z. B. in Berlin, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Thüringen, österreich usw., die aber nicht repräsentativ und wissenschaftlich auswertbar waren. Aus den erzielten Ergebnissen ließen sich nur bedingt qualitative Aussagen ableiten. Die Schulversuche werteten die Lehrkräfte aus, die den Versuch selbst durchführten.
Nunmehr liegen Untersuchungsergebnisse vor, die aus einem einjährigen wissenschaftlichen Feldexperiment stammen, das unter der Leitung des Instituts für Erziehungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena und mit Genehmigung des Kultusministeriums des Freistaates Thüringen im Schuljahr 1995/96 durchgeführt worden ist. Es handelte sich um ein klassisches Versuchs- und Kontrollgruppenexperiment mit Bedingungsvariation. Die Datenerfassung erfolgte überwiegend mit standardisierten psychologischen Tests und die Daten wurden mittels modernster Software statistisch ausgewertet. Die Lehrkräfte, die am Experiment beteiligt waren, wurden weder von uns in methodischer Sicht instruiert, noch in ihrer Unterrichtsführung beeinflußt.
An mehreren Berufsschulen, in unterschiedlichen Orten des Freistaates Thüringen, wurde dazu eine vergleichende Untersuchung im Fach Textverarbeitung durchgeführt. Speziell wurden die herkömmliche Lernmethode und die neue Lernmethode unter Anwendung des fiellascript Lernprogramms beim Erlernen des Tastschreibens miteinander verglichen. Während unserer Untersuchungen ist uns eine weitere Lernmethode bekannt geworden, die in einem neuen Lernbuch von Schindelasch/Toepel veröffentlicht wurde. Wir konnten diese Lernmethode nicht mehr in unsere Untersuchungen einbeziehen, sind aber von der Wirksamkeit des lernpsychologischen Ansatzes überzeugt.
Die Ergebnisse, die wir erzielten, sind repräsentativ und objektiv, da hinreichende Populationszahlen einbezogen wurden. Eindeutig konnte im Verlaufe des Forschungsprojektes der Nachweis geführt werden:
Wenn methodisch und fachlich versierte (und motivierte) Lehrkräfte das Tastschreiben unter Einsatz von mentalem Training vermitteln, dann lassen sich die Lernprozesse wesentlich effektivieren und optimieren. Die Abhängigkeit der erzielten Lernergebnisse von der Persönlichkeit der Lehrkraft ist dabei wesentlich geringer als bei der herkömmlichen Methode.
Folgende gesicherte Erkenntnisse konnten wir gewinnen:
Die umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen haben auch eine Reihe von Möglichkeiten eröffnet und Notwendigkeiten aufgezeigt, das fiellascript Lernprogramm durch schülergerechtere Lernmaterialien zu erweitern. Ein neues Produkt wurde bereits erarbeitet und erfolgreich eingeführt. Seit 3 Monaten liegt eine druckfertige Studie vor, in der sämtliche Ergebnisse unserer Untersuchungen dargestellt sind. Die Ergebnisse wurden entsprechend dem Kenntnisstand der modernen Psychomotorikforschung wissenschaftlich begründet und aufgearbeitet.
Betrachtungen und Auseinandersetzungen über die weitere Entwicklung der Methodik und Didaktik des Tastschreibens können am nunmehr gewonnenen Erkenntnisstand nicht mehr vorbeigehen. Es bleibt zu hoffen, daß die Studie sehr bald einem möglichst breiten Kreis von interessierten Lesern zugänglich gemacht werden kann. Die Veröffentlichung steht unmittelbar bevor.
Bad Blankenburg, im Februar 1998
Diplomlehrer Dr. Klaus Ramming
Quellenhinweise:
Mit freundlicher Genehmigung des DVLB.
Veröffentlichung aus der Zeitschrift "DVLB-Mitteilungen; Mitteilungen und Berichte aus den Landesverbänden des Deutschen Verbandes der Lehrer für Bürokommunikation e. V. (vorm. Deutscher Stenografielehrerverband e. V.), Heft 4, 5. Jahrgang.